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[Zynismus] Vor etwa 10 Jahren hatte der deutsche Taxifahrer Joseph "Goebbels" Fischer eine Erscheinung. Ihm erschien Auschwitz im Kosovo. Von da an sah er sich berufen an der Spitze des größten deutschen militärischen Aufgebots seit Adolf Nazi den Balkan zu befreien. Die Völker Restjugoslawiens erfreute das so sehr, daß sie sich auf die Brücken in Belgrad stellten, während die Bomben fielen. [/Zynismus] Wieder einam werden deutsche Kriegsverbrechen vertuscht. Darin ist das Regime immer noch geübt, wie Oberstleutnant Jürgen Rose in seinem Artikel in der Jungen Welt beweist: |
Priorität: Zivile Ziele Operation »Allied Force« – die NATO im Luftkrieg gegen Jugoslawien 1999. Die damalige Angriffsdoktrin ist völkerrechtswidrig und bis heute gültig Von Jürgen Rose
Die
strategischen Zerstörungen ziviler Infrastruktur waren nicht Gegenstand
bei den täglichen Pressebriefings während des Jugoslawien-Krieges
(Pentagon, 19.5.1999)
Foto: AP
Am 7.
März 2000 verlautbarte die Tageszeitung Die Welt – nicht zufällig das
Leib- und Magenblatt des Lodenmantelgeschwaders ehemaliger Generale und
Admirale der Bundeswehr – aus Anlaß des ersten Jahrestages der
Bombardierung Jugoslawiens durch die NATO ein Stück
Rechtfertigungsprosa, verfaßt vom damals amtierenden tschechischen
Präsidenten Vacláv Havel. Der ehemals prominente Bürgerrechtler gab
unter anderem zu Protokoll: »Aber kein Mensch mit profundem Verstand
kann eines leugnen: Dies war der erste Krieg, der nicht im Namen von
Interessen, sondern im Namen von Prinzipien und Werten geführt worden
ist.« Was Havels Geisteszustand anbetraf, so korrelierte dieser aufs
trefflichste mit dem des ebenfalls nicht ganz unbekannten Soziologen
Ulrich Beck, hatte dieser doch bereits ein halbes Jahr zuvor in den
Blättern für deutsche und internationale Politik, die Sinne noch ganz
vom Pulverdampf umnebelt, sich nicht entblödet, gar von einer
»postnationalen Politik des militärischen Humanismus« zu
schwadronieren, die mit dem Interventionskrieg der NATO gegen
Jugoslawien begründet worden sei. Üppig gedüngt mit solcherlei
Manifestationen bellizistischer Diarrhöe, steht das Gras fett und hoch
über den Gräbern auf dem Balkan. Was nun den Ablauf des
78tägigen Luftkriegs angeht, den die NATO 1999 über dem Kosovo und
gegen die Bundesrepublik Jugoslawien geführt hat, so ist es, will man
dessen Verlauf erschließen, unabdingbar, einen Blick auf die
Luftkriegsdoktrin der US Air Force zu werfen. Formuliert hat diese in
Anknüpfung an vorangegangene Überlegungen aus den 20er und 30er Jahren
des letzten Jahrhunderts, wie sie von dem Italiener Giulio Douhet, dem
Briten Hugh Trenchard, dem Amerikaner Billie Mitchell oder dem
deutschen Reichswehrgeneral Walther Wever angestellt worden waren, ab
1987 der Colonel der US Air Force John A. Warden III, der später zum
Kommandeur des Air Command and Staff College an der Air University,
Maxwell AFB, Alabama, aufstieg. Seinen Ideen gelang im Krieg gegen den
Irak 1991 der Durchbruch; sie prägen bis heute die gültige
US-Luftkriegsdoktrin. Letztere bildete auch die konzeptionelle
Grundlage für die Luftkriegsoperationen gegen Jugoslawien 1999, gegen
Afghanistan 2001/2002 und erneut gegen den Irak 2003.
Das »Fünf-Ringe-Modell«
Den
Kern des strategischen Ansatzes Wardens stellt sein sogenanntes
Fünf-Ringe-Modell1 dar: Ausgehend von einer systemtheoretischen
Betrachtungsweise beschreibt der damalige Luftwaffenoberst einen
potentiellen Gegner als ein System konzentrisch angeordneter Ringe,
deren strategische Relevanz von innen nach außen abnimmt. Angewendet
auf einen feindlichen Staat definiert Warden dieses System der
gestaffelten Ringe folgendermaßen: Im Zentrum befindet sich die
politische und militärische Führungsspitze. Darum herum gruppieren sich
die Schlüsselindustrie2, worunter primär die Stromerzeugung,
Wasserversorgung, die petrochemische Industrie und interessanterweise
auch der Finanzsektor eines Staates fallen, als dritter Ring die
Transportinfrastruktur, dann die Zivilbevölkerung und zuletzt, ganz
außen, das Militär. Aus der Wichtigkeit dieser Elemente im
Hinblick auf die Überlebensfähigkeit des Staates sowie aus ihrer
Verwundbarkeit gegenüber Luftangriffen leiten sich direkt die
Zielprioritäten für den strategischen Luftkrieg ab. Hervorzuheben ist,
daß diese Luftkriegsdoktrin ganz bewußt auf die Zerstörung der
Lebensgrundlagen eines Staates und einer Gesellschaft abzielt und
insbesondere auch die Zivilbevölkerung selbst zum expliziten Ziel
deklariert. Speziell soll durch Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung
und deren Existenzgrundlagen die Gefolgsbereitschaft gegenüber der
politischen Führung unterminiert werden. Andererseits rückt das
gegnerische Militär auf der Liste der Zielprioritäten ganz nach hinten.
Die von Warden gelieferte Begründung folgt eisig kalter Rationalität:
»Contrary to Clausewitz, destruction of the enemy military is not the
essence of war; the essence of war is convincing the enemy to accept
our position, and fighting his military forces is at best a means to an
end and at worst a total waste of time and energy.« (»Im Gegensatz zu
Clausewitz besteht das Wesen des Krieges nicht in der Vernichtung des
feindlichen Militärs; das Wesen des Krieges besteht darin, den Gegner
davon zu überzeugen, unsere Position zu akzeptieren, und seine
Streitkräfte zu bekämpfen, ist bestenfalls Mittel zum Zweck,
schlimmstenfalls aber totale Zeit- und Energieverschwendung.«) Der
springende Punkt dabei besteht allerdings darin, daß eine
Kriegführungsstrategie, welche bewußt und vorsätzlich die
Zivilbevölkerung ins Visier nimmt, auf eklatante Weise gegen jegliche
Normen des humanitären Völkerrechts verstößt. Der Enthemmung bei der
Zielauswahl folgt die Enthemmung bei der Zielbekämpfung auf dem Fuße.
In der Realität des modernen Luftkrieges scheint nunmehr im Grunde
jedes Mittel erlaubt, um zu siegen. Ob lasergesteuerte Präzisionsbomben
auf Wohnblocks, Streubomben auf Dörfer, Munition aus abgereichertem
Uran, »Fuel-Air-Explosives« (Aerosolbomben, die schlagartig einen
gewaltigen Überdruck erzeugen und jegliches Leben in unmittelbarer Nähe
der Explosion auslöschen) oder gar weißer Phosphor gegen »weiche
Ziele«, wie es zynisch im Jargon der Luftkriegsplaner heißt.
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