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Die neue Stärke des Irakischen Widerstands und seine internationale Bedeutung PDF Drucken Email
Geschrieben von Chris Sedlmair   
09. Juni 2009 um 23:04

Seit 2 Monaten nehmen die Aktivitäten irakischer Widerstandsgruppen enorm an Intensität zu. Auch nach den extrem frisierten offiziellen Angaben der USA war der Mai der Verlustreichste Monat seit September 2008.


Die Situation im Irak

Nach US-Angaben starben 150.000 Iraker und 4300 US-Soldaten in diesem völkerrechtswidrigen Krieg. Beide zahlen sind erfunden. Auf Basis der Methode des Lancet-Reports, gehen seriöse Schätzungen von derzeit 1,3-1,5 Mio Tote Iraker durch die US-Invasion und anschließende Besatzung aus. Nach Angaben der „Gruppe Ramzaj“ des russischen Auslandsgeheimdienstes, der direkt aus dem Irak berichtete, liefen so hohe US-Verluste auf, daß der Einsatz einer taktischer Neutronenbombe befohlen wurde (einige Vermuten daß Ramzaj deshalb die Berichte einstellte), der die irakische Führung veranlaßte, den schnellstmöglichen Umstieg auf Plan B (Guerilla-Krieg) zu organisieren.

Auf diese Weise entstand der Eindruck eines kompletten irakischen Zusammenbruchs am 9.April 2003. Zwischen dem 5. und dem 9. April machten in den Medien Berichte die Runde, daß komplette Einheiten der Republikanischen Garde „verschwanden“. Der andauernde Guerillakrieg seit dem 10. April 2003 zeigte bald was es damit auf sich hatte. Daß die Angaben der USA gefälscht sind, beweisen nicht nur Meldungen des Widerstandes, die man als Propaganda abtun könnte, sondern auch Todesmeldungen in der russischen und chinesischen Presse. Die US-Militärärzte in Landstuhl und anderen Krankenhäusern berichteten auch von weit mehr Verwundeten als den offiziell 20-30.000 Verwundeten. Nach Berechnungen auf deren Angaben, wurden mehr als 100.000 US Soldaten verwundet. In den USA haben mehr als 320.000 Afghanistan- und Irak-Veteranen irreparable Hirnschäden. Weitere 300.000 sind aus psychischen Gründen in Behandlung. Der irakische Widerstand hat somit den USA heftige Verluste zugefügt, die weit über das von der US-Öffentlichkeit geduldete Maß hinausgehen.


Der Rückgang der Widerstandsaktivitäten 2008 kein Erfolg des US-Militärs

2008 gingen die Widerstandsaktivitäten um mehr als die Hälfte zurück. Die USA feierten dies als ihren großen Coup und den Erfolg ihrer „Surge“-Taktik. Doch diese war ebenso nutzlos wie alle anderen militärischen Kampagnen zuvor. Was war passiert? Schon 2007 kam es zu vermehrten Auseinandersetzungen zwischen dem irakischen al Quaida-Ableger „Islamischer Staat im Irak (ISI)“ und den ebenfalls mehrheitlichen sunnitischen Gruppen Islamische Armee, Ansar al Sunnah und Mujaheddin Armee. Al Quaida wollte lokale Sheikhs, Unterstützer des Widerstandes, dazu zwingen ihnen die Treue zu schwören. Als diese sich weigerten kam es zu Morden. Der Widerstand konnte das nicht hinnehmen, da Al Quaida ohnehin schon länger für ihre sektiererischen Gewaltakte gegen Schiiten unter Kritik geriet. Ein Showdown zwischen dem Widerstand und al Quaida war unvermeidlich. Um sich diesen von den Besatzern finanzieren zu lassen nahmen Teile des Widerstands an Sawha-Programmen teil und erhielten Geld und Waffen. Innerhalb weniger Monate gelang es den ehemaligen Widerstandskämpfern al Quaida auf einen kleinen Haufen zu dezimieren. Für den Widerstand war der Bruch absolut notwendig, weil er eben keiner sunnitisch-konfessionellen Agenda folgt und die Baath Partei selbst mehrheitlich aus Schiiten besteht. Der Widerstand ist  auf nationale Einheit angewiesen. Konfessionelle Spannungen dienen lediglich den Interessen der Besatzer und ihrer Marionetten

Der Widerstand war zunehmend damit beschäftigt, neue Kräfte zu rekrutieren und ausgefallene Strukturen zu ersetzen. Die Angriffe wurden auf ein Maß reduziert, der den Status Quo aufrecht erhielt, jedoch keine weiteren Fortschritte gegen die Besatzung erbrachte. Der Zeitpunkt dafür war günstig. In den USA war Wahlkampf. Ein friedlicherer Irak erhöhte die Siegeschancen für Obama, der zumindest einen Wechsel in der Irak-Strategie des Amerikanischen Reiches versprach. Unter den Bedingungen heftigster Widerstandsaktivitäten war 4 Jahre zuvor Al Gore gescheitert. Der Zeitraum wurde auch genutzt um die politischen Möglichkeiten auszuloten.

Diese Phase ist nun vorüber, nachdem die Verantwortung für die Sahwa-Räte von den Amerikanern auf die schiitisch-sektiererische Marionettenregierung überging. Die Zahlungen wurden immer unregelmäßiger und seit Monaten sind die Sahwa-Truppen ohne Bezahlung. Immer öfter kommt es zu Übergriffen der Besatzungstruppen oder ihrer irakischen Helfer. Eine wachsende Anzahl wechselt nun wieder in die Reihen des Widerstandes .  Die amerikanische Administration verliert parallel zu diesen Vorgängen zunehmend das Interesse das wenig lukrative Irak Desaster fortzusetzen. Das kollabierende Imperium ist eher daran interessiert, wenigstens einen seiner Kriege erfolgreich zu beenden und verstärkt sein Engagement in Afghanistan.


Der Irakische Widerstand und die Weltwirtschaftskrise

Die derzeitige Weltwirtschaftskrise ist zum kleineren Teil eine klassische Überproduktionskrise, zu einem größeren ist sie eine strukturelle Krise des Imperialismus, gepaart mit einem gezielten Angriff des internationalen Finanzkapitals auf den Rest der Welt. Sie tritt derzeit mit solcher Vehemenz zu Tage, weil der Dollar seine Deckung verloren hat. Diese Deckung bestand in der militärischen Einschüchterung durch die USA, ihre Möglichkeit überall auf der Welt zuzuschlagen und den Wert ihrer Währung mit Gewalt zu erzwingen. Dieses Einschüchterungspotential wurde durch den irakischen Widerstand deutlich dezimiert. Nachdem offensichtlich wurde, daß die USA nicht in der Lage sind, den irakischen Widerstand zu vernichten, wuchs das Selbstbewußtsein vieler Länder wie etwa Venezuela, Rußland, China und Iran. Nach dem Ende der UdSSR und ihrer stabilisierenden Wirkung auf die internationalen Beziehungen, waren die Beziehungen zu den USA der zentrale Punkt der Außenpolitik sogar vieler Länder, deren Interessen denen des amerikanischen Weltreiches entgegenstanden. Man fürchtete das militärische Potential der USA, deren Rüstungsausgaben die Hälfte der gesamten Welt ausmachen. Ein wichtiges Werkzeug, um die Krise auf die ganze Welt abzuwälzen, ging Wall Street und London verloren, was den traditionellen Verbündeten der USA nun eine höhere Last aufzwingt.


Die historische Schuld der deutschen Linken gegenüber dem Irak

Diese Tatsachen scheinen die westlichen Linken wenig zu kümmern. Man zog es vor sich nicht in den Verdacht zu bringen, mit den baathistischen Schmuddelkindern zu spielen und versteifte sich auf pazifistisch-defätistische Positionen. Mehr als „Kein Krieg gegen den Irak“ oder „Kein Blut für Öl“ gab man den Millionen, die bereit waren, gegen den Irak-Krieg zu demonstrieren nicht als Losung vor. Die größten Demonstrationen der Geschichte wurden von den Kriegstreibern ignoriert. Wer etwas anderes erwartet, war im besten Fall Naiv. Der Krieg kam. Doch nicht einmal als die Bomben fielen und die Panzer rollten, wollten sich die führenden Kräfte der Friedensbewegung mit denen solidarisieren, die sich der US-Militärmaschine entgegenstellten. Die irakische Armee und später der irakische Widerstand wurden der Political Correctness des imperialistischen Systems geopfert. Wer es dennoch tat wurde diffamiert. Man schreckte sogar vor ideologischen Anleihen bei Rechtsextremen wie den „Antideutschen“ zurück, deren Vorgaben aus Washington und Tel Aviv kommen.   Vor allem die deutsche Linke hätte eine alte Schuld begleichen können, indem sie sich mit den irakischen Verteidigern solidarisierte. Diese waren und sind es auch, die als einzige Kraft die Forderung nach Truppenabzug durchsetzen können. Die Friedensbewegung konnte nicht einmal den Beginn des Krieges verhindern. Dankbarkeit wäre seitens der deutschen Linken angebracht, denn es war der Irak, der als erstes nicht kommunistisch regiertes Land die DDR anerkannte und eine Lawine auslöste, die die Hallstein-Doktrin zu Fall brachte. Der Irak war seit der baathistischen Revolution von 1968 um staatliche und ökonomische Souveränität bemüht, die Imperialisten Großbritannien und USA in die Schranken zu weisen und schloß bald einen Freundschafts- und Beistandspakt mit der UdSSR. Dies wird beflissentlich ignoriert. Man half lieber die Mär vom CIA-Freund Saddam weiterzuverbreiten, die von der ehemals irakischen, ehemals kommunistischen IKP erfunden und ab 1985 von der CIA im Rahmen ihrer Desinformationskampagne verbreitet wurde. Welche Partei dann wirklich vom CIA kontrolliert wird, konnte man an Hand ihres Verhaltens nach der Invasion 2003 beobachten. Die IKP richtete es sich unter der Besatzung bequem ein und verteilte brav ihre in London gedruckten Publikationen. Sie war Teil des Besatzungsprogramms um den irakischen Widerstand in den Reihen der Linken Europas und Nordamerikas zu diskreditieren. Das Geschwätz von bezahlen Agenten wurde lieber aufgenommen als die Solidarität in Taten, die der Irak der deutschen Linken erbrachten. Die westliche Friedensbewegung hat auf ganzer Linie versagt. Der irakische Widerstand aber hat das Imperium gestoppt.


Zuletzt überarbeitet ( 09. Juni 2009 um 23:15 )
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