|
Phil Sands,
Auslandskorrespondent (Übersetzung ins Deutsche von Chris Sedlmair)
- Letzte Aktualisierung: 26.
April. 2009 11:10PM VAE / April 26. 2009 11:10 PM VAE
DAMASCUS - Die
fortgesetzte Präsenz der US-Truppen und der Unfähigkeit der irakischen
Regierung, ihre beschränkte konfessionelle (sectarian) Agenda aufzugeben, sind nach
Angaben der verbotenen Baath Partei die zugrunde liegenden Ursachen der
jüngsten Welle der Gewalt im Irak. Vier Selbstmordattentate an zwei Tagen der vergangenen Woche töteten etwa 160
Zivilisten, Angriffe, die auf die empfindliche Natur der jüngsten Sicherheitsfortschritte
hinweist und auf ein Wiederaufleben von Extremisten im Stil von al Quaida
schließen läßt
In einem
Interview in Damaskus bestritt ein Sprecher der exilierten irakischen
Baath-Partei und die damit verbundenen aufständischen Gruppen jegliche
Beteiligung an den verlustreichen Anschlägen. Aber er sagte ähnliche Gewalt
würde weiterhin geschehen, bis US-Truppen verschwänden, und eine wirkliche
nationale Aussöhnung stattgefunden habe. "Es war so viel von Stabilität und Fortschritt im Irak die Rede, aber
alles auf einer oberflächlichen Ebene", sagte Abu Mohammed, unter der
Voraussetzung, daß sein voller Name nicht veröffentlicht würde. "Es hat keine
wesentlichen Fortschritte gegeben. Es ist eine vorgetäuschte Stabilität, die aus
hunderttausenden von Soldaten auf den Straßen resultiert. In Bagdad gibt es
Checkpoints alle 100 Meter. Wie kann ein Land, das wie ein riesiges Gefängnis funktioniert
eine wirkliche Stabilität darstellen? "
Die
Außenministerin der USA, Hillary Clinton, hat an ihrem ersten Besuch in der
irakischen Hauptstadt als Amerikas Spitzendiplomatin am Samstag die Bombenanschläge
"tragisch" genannt. Sie sagte jedoch, daß sie keinen "keinen
Rückschlag für die Fortschritte in der Sicherheit darstellen, die erzielt wurden".
Abu Mohammed, ein Vertreter des politischen Flügels der irakischen
Baath-Partei, die das Land unter Saddam Hussein regierte, bestand darauf, daß das
Gegenteil der Fall sei, und daß nach einem Zeitraum, in dem die Amerikaner gesehen
hatten, daß ihre „Surge“-Taktiken funktionierten, die Bedingungen sich jetzt
verschlechtern würden.
"Die
derzeitige Sicherheitslage im Irak ist gefährlich", sagte er. "Es
gibt eine Spaltung zwischen Arabern und Kurden in Mosul, al Qaida ist wieder in
Teile von Bagdad zurückgekehrt, und Monate nach der Wahlen auf Provinzebene,
sind einige Gebiete noch immer nicht in der Lage gewesen, sich auf eine lokale
Regierung zu einigen. "Das nationale Parlament kann keine Entscheidungen treffen und das Land
ist vollgestopft mit ausländischen Soldaten. Millionen Iraker leben als
Flüchtlinge, und noch nicht einmal der Strom funktioniert. Dies alles ist ein
Rezept für Chaos. "
Abu Mohammed
übte auch Kritik an Bemühungen um Versöhnung. Er sagt, Nouri al Maliki, der
Ministerpräsident, zeige kein Interesse, ein vereinender Regierungschef zu
sein, oder den ehemalige Aufständischen und Baathisten eine Rückkehr ins
nationale Leben zu erlauben. "Nationale Versöhnung ist nicht möglich," sagte Abu Mohammed.
"Alles, was geschehen ist, beweist, daß die so genannte irakische
Regierung nur eine Koalition von Milizen ist, die Abhängig ist von der Präsenz
der Besatzungstruppen. Es ist eine Sammlung von Todesschwadronen mit konfessionellen
Programmen. Und es geht um die Interessen der politischen Parteien nicht die Interessen
des Landes als Ganzes."
Laut eines
aktuellen "New York Times"-Bericht haben US-amerikanischen und
britischen Beamte seither die irakische Regierung und Herrn Maliki aufgefordert,
eine Übereinkunft mit den ehemaligen Regimeelementen zu treffen, was er ablehnt.
Stattdessen
werden von den irakischen Behörden Maßnahmen getroffen, die wie Kritiker sagen,
nur zu einer Verschärfung der Spannungen führen. In diesem Monat sagte Maliki, daß
Baathisten, die derzeit von Izzat Ibrahim al Douri, angeführt werden, hinter den
tödlichen Autobombenanschlägen stünden. Eine Woche zuvor wurde ein führendes
Mitglied eines Baghdader Sahwa – Erweckungsrates festgenommen, was Kämpfe
zwischen sunnitischen Kämpfern und Regierungstruppen auslöste.
Der Sahwa-Rat
brachte ehemalige Aufständische und Anti-Regierungs-Gruppen zu einer nicht
einfachen Allianz mit den Amerikanern und irakischen Truppen. Über 90.000
Kämpfer, vor allem Sunniten, endeten auf der Sahwa Lohnlisten, was zu einem
deutlichen Rückgang der Gewalt und eine drastische Rückgang bei den Aktivitäten
von Militanten im Stil von al Qaida führte.
Am Ende des
letzten Jahres übergab die US-Armee die Verantwortung für die Sahwa Räte an
die irakische Regierung, gegen das Versprechen von Maliki, daß die Zahlungen
fortgesetzt und daß Tausende von Kämpfern zivile Arbeitsplätze oder Stellen in
den Sicherheitsdiensten bekommen würden.
Mit
schwindenden staatlichen Einnahmen, durch die fallenden Ölpreise, haben sich
diese Zahlungen in einigen Fällen verzögert oder wurden gestoppt, was die
Befürchtungen auslöste, das Sahwa-Programm könnte zerfallen und das Land in einen Bürgerkrieg
stürzen. "Die Sahwa-Räte kollabieren", sagt Abu Mohammed. "Die Amerikaner
nutzten sie für eine Weile aus und dann gaben sie sie an die irakische
Regierung weiter, da sie ihren Zweck erfüllt hätten. Nun hat sich die Regierung
gegen die Sahwa gewandt. "
Er
behauptete, daß eine "große Zahl" von Sahwa-Kämpfer sich an ihre
ehemaligen aufständischen Kollegen gewandt und ihr Bedauern ausgedrückt hätten,
daß sie an dem Programm teilnahmen. "Viele kommen zu uns zurück und sagten "Es tut uns leid " und
daß sie sich nur dort anschlossen, weil sie das Geld gebraucht haben. Das ist
verständlich." In einer Aussage vor dem US-Kongress am Freitag - am gleichen Tag griffen zwei
weibliche Selbstmordattentäter einem schiitischen Schrein in Bagdad an und
töteten mindestens 65 Personen – warnte Gen David Petraeus, Kommandeur der
US-Streitkräfte im Nahen Osten, davor, daß die Lage im Irak sei "immer
noch fragil und umkehrbar" sei.
Er sagte:
"Obwohl al Qaida und andere extremistische Elemente im Irak deutlich
reduziert wurden, stellten sie weiterhin eine Gefahr für die Sicherheit und
Stabilität." Einem Einsatzkräfte-Abkommen zwischen amerikanischer und irakischer
Regierung zufolge, ziehen die US-Truppen am 30. Juni aus den Städten, und dann Ende
2011 vollständig aus dem Land ab. US-Militärs haben die Frage aufgeworfen, ob dieser Termin realistisch sei, da
die Gewalt, insbesondere in Mosul, anhalte und gesagt, sie diskutierten die
Möglichkeit noch in der Stadt bei ihren irakischen Kollegen zu bleiben.
Für die
Baathisten ist dies ein Zeichen dafür, daß die USA planen ihre Versprechen zu
brechen.
"Die Amerikaner
wollen nicht den Irak verlassen. Und wie wir erwartet haben sind sie auf der
Suche nach Gründen um zu bleiben. Sie werden sagen:" Wir müssen bleiben
und diese Terroristen bekämpfen." Wir glauben, daß al Qaida und diese
Angriffe Teil des amerikanischen Plans sind."
Abu
Mohammed zufolge werden Widerstandsgruppen unter dem Kommando von al Douri aktiv
bleiben und die US-Streitkräfte angreifen "und jene, die mit ihnen kämpfen."
"Wir
haben nie Zivilisten angegriffen und wir haben viele Angriffe abgebrochen, weil
es eine Gefährdung für die Zivilbevölkerung gab", sagte er.
"Unser
Ziel sind nicht die irakische Polizei oder Armee. Aber, wenn sie auf eine
gemeinsame Patrouillen mit den Amerikanern gehen und die irakischen Armee ist
darin verwickelt, sind das Dinge, die in einem Krieg passieren."
Auf die
Frage über al Douri's Aufenthaltsort - er bleibt an der Spitze der Liste der
Meistgesuchtesten der US-amerikanischen und irakischen Regierung - sagte Abu Mohammed: "Er ist bei guter Gesundheit. Er führt immer noch den irakischen
Widerstand an und ist optimistisch, was die Befreiung des Irak angeht. Er ist im
Irak, und er ist überall, von Basra bis Mossul. "
psands@thenational.ae
Quelle:
The National (Englischer Originalartikel)
|